Die Wildcats des SV UNION Halle-Neustadt sind mit einer 30:34 (15:16)-Niederlage gegen die Sport-Union Neckarsulm in die entscheidende Phase der Saison gestartet. Vor 743 Zuschauern in der SWH.arena blieb das Team von Trainerin Ines Seidler über weite Strecken hinter den eigenen Möglichkeiten zurück – und das trotz einer überragenden Leistung von Torhüterin Nicola Czaja. Die Partie begann zunächst ausgeglichen. Nach dem frühen Rückstand durch Paulina Uścinowicz antwortete Lynn Molenaar umgehend zum 1:1. In den Anfangsminuten entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem sich keine Mannschaft entscheidend absetzen konnte. Treffer von Madeleine Östlund, Emma Hertha und Lea Gruber hielten die Wildcats auf Augenhöhe (4:4, 6.).
Doch bereits in dieser Phase deutete sich an, dass Neckarsulm im Angriffsspiel zielstrebiger agierte. Immer wieder fanden Alicia Soffel und Antje Döll Lösungen gegen die Hallenser Defensive. Beim Stand von 6:8 (9.) reagierte das Trainerteam und brachte Nicola Czaja für Sofie Kruggel ins Tor – ein Wechsel, der sich als absoluter Faktor im Spiel erweisen sollte. Czaja stabilisierte das Spiel sofort, zeigte zahlreiche Paraden und hielt ihr Team mit starken Aktionen im Spiel. Insgesamt 18 Paraden und eine Quote von rund 40 Prozent unterstreichen ihre herausragende Leistung. Dennoch schafften es die Wildcats nicht, daraus Kapital zu schlagen. Zu viele technische Fehler – insgesamt elf im Spielverlauf – verhinderten eine nachhaltige Aufholjagd. Neckarsulm nutzte diese Unsicherheiten konsequent und setzte sich zwischenzeitlich auf 9:14 (21.) ab. Vor allem Uścinowicz und Soffel prägten das Offensivspiel der Gäste. Erst in der Schlussphase der ersten Halbzeit fanden die Wildcats wieder besser in die Partie. Fabienne Büch, Viktoria Marksteiner und erneut Büch per Siebenmeter sorgten für den Ausgleich zum 15:15 (27.), ehe Neckarsulm kurz vor der Pause wieder vorlegte. Mit einem knappen 15:16-Rückstand ging es in die Kabine.
Wildcats finden kein Tempo – Neckarsulm nutzt Schwächen eiskalt
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Begegnung zunächst offen. Molenaar brachte die Wildcats zwischenzeitlich sogar mit 18:17 (33.) in Führung. Doch es sollte die einzige Führung im zweiten Durchgang bleiben. Neckarsulm zeigte sich abgeklärter, strukturierter und vor allem konsequenter in den entscheidenden Momenten. Was den Wildcats zunehmend fehlte, war das Tempo im eigenen Spiel. Die Angriffe wirkten oft zu statisch, klare Durchbrüche blieben selten. Gleichzeitig überzeugte Neckarsulm mit einer starken Rückwärtsbewegung, die schnelle Gegenstöße der Gastgeberinnen nahezu komplett unterband. Auch die notwendige Aggressivität in der Abwehr war bei Halle nicht durchgängig zu erkennen. Bis zum 20:20 (38.) blieb das Spiel offen, doch dann setzte sich Neckarsulm entscheidend ab. Angeführt von Alicia Soffel und der treffsicheren Paulina Uścinowicz zog das Gästeteam auf 23:27 (47.) davon. Auch eine Auszeit der Wildcats brachte keine nachhaltige Wende. In dieser Phase wurde deutlich, dass die Wildcats nicht die nötige Durchschlagskraft entwickelten. Während Neckarsulm mit einem vergleichsweise kleinen Kader angereist war, wirkten die Gäste frischer und konsequenter in ihren Aktionen.
Erst in den letzten fünf Minuten – als die Partie bereits entschieden war – erhöhten die Wildcats noch einmal das Tempo. Tore von Büch, Polakova und Molenaar verkürzten den Rückstand, doch näher als auf vier Tore kam Halle nicht mehr heran. Am Ende stand eine verdiente 30:34-Niederlage. Neckarsulms Trainer Thomas Zeitz ordnete den Erfolg seiner Mannschaft entsprechend ein: „Wir hatten großen Respekt vor dem Spiel, da wir wussten, dass Halle eine starke Mannschaft ist und wir unser Heimspiel gegen sie verloren hatten. Umso stolzer bin ich, dass meine Mannschaft heute hier bestanden hat – und das, obwohl einige Spielerinnen über 55 Minuten durchgespielt haben. Ich fahre heute sehr stolz zurück nach Neckarsulm.“
Klare Analyse von Seidler – Blick richtet sich nach vorn
Auf Seiten der Wildcats fand Cheftrainerin Ines Seidler deutliche Worte: „Neckarsulm hat verdient gewonnen. Sie waren deutlich abgezockter als wir und wir haben uns zu viele technische Fehler geleistet. Das war kein Auftritt, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Dabei machte sie klar, dass die Niederlage in erster Linie auf die eigene Leistung zurückzuführen sei. Gleichzeitig sprach sie aber auch einzelne strittige Szenen an: „Natürlich gab es auch die ein oder andere unglückliche Entscheidung der Schiedsrichter.“
Diese Situationen wurden auch von den Zuschauern in der SWH.arena wahrgenommen, die – für das sonst eher zurückhaltende hallesche Publikum ungewohnt – mehrfach lautstark mit Pfiffen reagierten. Trotz der Niederlage gab es auch positive Aspekte: Neben Czaja überzeugten im Angriff vor allem Lynn Molenaar mit sieben Treffern sowie Fabienne Büch mit sechs Toren. Madeleine Östlund (4), Emma Hertha (3) und Tabea Wipper (3) ergänzten die Offensive. Auf Seiten der Gäste war Paulina Uścinowicz mit zehn Treffern die erfolgreichste Werferin, gefolgt von Alicia Soffel (9) und Antje Döll (7).
Mit Blick auf die Tabelle und die verbleibenden Spiele in der Abstiegsrunde wird die Situation für die Wildcats nun anspruchsvoller. Jeder Punkt gewinnt zunehmend an Bedeutung im Kampf um den Klassenerhalt. Im nächsten Spiel (Auswärts beim VfL Oldenburg) steht bereits die nächste richtungsweisende Partie an. Um dort erfolgreich zu sein, wird es eine deutliche Leistungssteigerung brauchen: weniger technische Fehler, mehr Tempo im Umschaltspiel und vor allem eine spürbar höhere emotionale Präsenz auf dem Feld. Die Wildcats stehen unter Zugzwang – haben aber weiterhin alles in der eigenen Hand.
Statistik
SV UNION Halle-Neustadt – Sport-Union Neckarsulm 30:34 (15:16)
Spielort: SWH.arena, Halle (Saale)
Zuschauer: 743
Schiedsrichter: Paul Kijowsky / Lukas Strüder
SV UNION Halle-Neustadt:
Molenaar 7, Büch 6/2, Östlund 4, Hertha 3, Wipper 3, Marksteiner 2, Gruber 2, Polakova 2, Reuthal 1
Sport-Union Neckarsulm:
Uścinowicz 10, Soffel 9, Döll 7/2, Bruggeman 4, Hinkelmann 2, Holtman 1, Siegle 1
Siebenmeter:
Halle-Neustadt 2/2 – Neckarsulm 2/3
Zeitstrafen:
Halle-Neustadt 1 – Neckarsulm 2