Der Bann ist gebrochen: Der SV UNION Halle-Neustadt hat am fünften Spieltag der Alsco Handball Bundesliga Frauen den ersten Saisonsieg eingefahren. Vor 986 Zuschauern in der SWH.arena setzten sich die Wildcats am Samstagabend im Ostderby gegen den BSV Sachsen Zwickau deutlich mit 33:25 (15:11) durch. Nach einem schwierigen Saisonstart überzeugte die Mannschaft von Trainer Pether Krautmeyer erstmals über die gesamten 60 Minuten und belohnte sich mit zwei wichtigen Punkten. Besonders eine engagierte Abwehrleistung und das konsequente Tempospiel bildeten die Grundlage für den Erfolg. Die Bedeutung der Begegnung war bereits vor dem Anpfiff deutlich. Beide Mannschaften waren mit jeweils 1:7 Punkten in das direkte Duell gegangen und warteten noch auf ihren ersten Bundesligasieg der Saison. Entsprechend groß war der Druck, sich mit einem Erfolg etwas Luft im Tabellenkeller zu verschaffen. Die Wildcats erwischten vor heimischem Publikum einen Start nach Maß. Lea Gruber eröffnete nach 34 Sekunden den Torreigen, Viktoria Marksteiner und Emma Hertha legten nach. Nach nicht einmal drei Minuten stand eine 3:0-Führung auf der Anzeigetafel. Doch die Gäste fanden zunehmend besser in die Partie. Zwickau nutzte seine Möglichkeiten und drehte den Rückstand bis zur zehnten Minute in eine 5:4-Führung. Es sollte allerdings die einzige Führung der Gäste bleiben. Denn anschließend übernahm Emma Hertha die Verantwortung. Die Außenspielerin erzielte vier Treffer in Folge und brachte die Wildcats innerhalb weniger Minuten mit 8:5 (14.) wieder in Führung. Es war eine der entscheidenden Phasen der Begegnung.
Aggressive Abwehr und hohes Tempo bringen die Wildcats auf Kurs
Im weiteren Verlauf wurde zunehmend deutlich, mit welchen Mitteln Halle-Neustadt das Derby für sich entscheiden wollte. Aus einer engagierten und aufmerksamen Abwehr heraus suchten die Wildcats immer wieder den schnellen Weg nach vorne. Besonders über die Außenpositionen gelang es, die Wechsel des BSV zwischen Angriff und Abwehr geschickt auszunutzen. Während Zwickau noch versuchte, seine defensive Ordnung herzustellen, waren die Hallenserinnen häufig bereits auf dem Weg zum gegnerischen Tor. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch Ilona Kieffer, die im Mittelblock der Wildcats-Abwehr mit einer starken und aggressiven Leistung überzeugte. Sie ging konsequent in die Zweikämpfe, arbeitete intensiv gegen den Zwickauer Angriff und trug damit wesentlich zur defensiven Stabilität der Mannschaft bei. Gerade diese Abwehrarbeit bildete die Grundlage für das erfolgreiche Tempospiel der Wildcats. Auch Lena Schmid erwies sich zwischen den Pfosten als verlässlicher Rückhalt. Die Torhüterin parierte zehn von 31 Würfen und erreichte damit eine Quote gehaltener Bälle von 32,3 Prozent. Nach dem zwischenzeitlichen 9:8 bauten die Gastgeberinnen ihren Vorsprung wieder aus. Lea Gruber erhöhte mit zwei Treffern auf 14:9 (28.). Bis zur Halbzeit verkürzten die Gäste noch auf 15:11, doch die Wildcats hatten das Spiel zu diesem Zeitpunkt weitgehend unter Kontrolle. Überschattet wurde die Schlussphase des ersten Durchgangs von einer schweren Verletzung der Zwickauer Torhüterin Alexandra Humpert. Die Nummer 32 des BSV musste verletzt ausscheiden. Der SV UNION Halle-Neustadt wünscht ihr eine schnelle und vollständige Genesung.
Wildcats lassen nach der Pause nicht nach
Wer nach dem Seitenwechsel mit einer Aufholjagd der Gäste gerechnet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Emma Hertha und Viktoria Marksteiner erhöhten auf 17:11 (33.). Zwar versuchte Zwickau, den Anschluss wiederherzustellen, doch die Wildcats hatten immer wieder die passende Antwort. Besonders auffällig war dabei, dass Halle-Neustadt nicht in die Schwankungen zurückfiel, die in den bisherigen Saisonspielen immer wieder Punkte gekostet hatten. Die Mannschaft blieb konzentriert, arbeitete defensiv konsequent weiter und nutzte ihre Möglichkeiten im Angriff. Auch die Zahlen unterstreichen den überzeugenden Auftritt. Sieben von neun Gegenstößen verwandelten die Wildcats, während Zwickau lediglich einmal aus sechs Versuchen erfolgreich war. Hinzu kamen elf Treffer aus der Außenwurfzone und eine gesamte Wurfeffektivität von 65 Prozent. Auch vom Siebenmeterpunkt zeigte sich Halle-Neustadt nervenstark: Alle sechs Strafwürfe fanden den Weg ins Tor. Mit zunehmender Spielzeit wurde der Vorsprung immer komfortabler. Nach dem 21:15 (41.) erhöhten die Gastgeberinnen über 24:18 auf 26:18 (48.). Besonders Fabienne Büch übernahm in dieser Phase Verantwortung. Die Linksaußen erzielte allein im zweiten Durchgang sechs ihrer insgesamt neun Treffer und war auch vom Siebenmeterpunkt nicht zu stoppen. Als Büch mit zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Treffern in der 52. Minute auf 28:19 stellte, war die Vorentscheidung endgültig gefallen. Zwickau fand keine Mittel mehr, um den Rückstand entscheidend zu verkürzen. In der Schlussphase verwalteten die Wildcats ihren Vorsprung, ohne die Kontrolle über das Spiel zu verlieren. Den Schlusspunkt setzte Emma Hertha mit ihrem neunten Treffer zum 33:25-Endstand. Gemeinsam mit Fabienne Büch war sie damit erfolgreichste Werferin der Partie. Beide erzielten jeweils neun Tore bei elf Würfen und erreichten eine bemerkenswerte Trefferquote von 82 Prozent. Lea Gruber überzeugte mit sechs Toren und fünf Vorlagen.
Erleichterung bei Krautmeyer, Enttäuschung in Zwickau
Nach dem Schlusspfiff war Pether Krautmeyer die Erleichterung deutlich anzusehen. Der Wildcats-Trainer leitete seine Analyse mit einem kurzen Satz auf Deutsch ein: „Danke für die fantastische Atmosphäre.“ Anschließend erläuterte er auf Englisch die Gründe für den Erfolg. Entscheidend sei vor allem die starke Abwehrarbeit seiner Mannschaft gewesen. Die Spielerinnen hätten gekämpft, intensiv gearbeitet und seien während der gesamten Partie aufmerksam geblieben. Genau diese defensive Leistung bildete aus Sicht des Trainers die Grundlage für den verdienten Sieg. Ganz anders war die Stimmung bei Zwickaus Trainer Norman Rentsch. Der Coach zeigte sich nach der Niederlage sichtlich enttäuscht. „Wir haben uns viel vorgenommen im Derby gegen Halle. Wir wollten mit viel Dynamik aus dem Rückraum agieren, aber das ist uns nicht gelungen“, erklärte Rentsch. Zugleich verwies er auf die angespannte personelle Situation seiner Mannschaft. Besonders das Fehlen von Silje Brøns Petersen machte sich aus seiner Sicht bemerkbar. Rentsch hofft nun auf eine schnelle Rückkehr der Rückraumspielerin. Für die Wildcats bedeutet der Derbysieg weit mehr als nur zwei Punkte. Nach vier sieglosen Bundesligaspielen zeigte die Mannschaft, welches Potenzial in ihr steckt, wenn Abwehrarbeit, Tempospiel und Konzentration über die gesamte Spielzeit zusammenkommen. Mit nun 3:7 Punkten verschaffen sich die Hallenserinnen etwas Luft im Tabellenkeller und können mit neuem Selbstvertrauen auf die kommenden Aufgaben blicken. Bereits am kommenden Samstag, 17. Oktober, wartet die nächste Herausforderung. Um 16:00 Uhr sind die Wildcats beim Buxtehuder SV zu Gast. Dort gilt es, an die Leistung aus dem Ostderby anzuknüpfen und die positive Entwicklung zu bestätigen.
Spielstatistik
SV UNION Halle-Neustadt – BSV Sachsen Zwickau 33:25 (15:11)
WILDCATS: Fabienne Büch 9/5, Emma Hertha 9, Lea Gruber 6, Viktoria Marksteiner 4, Marie Polakova 3, Lynn Holtman 1/1, Lois van Vliet 1.
BSV Sachsen Zwickau: Nina Ramusovic 7/2, Liv Navne 4/2, Amelia Worozanska 4, Kristina Dramac 3, Julia Niewiadomska 3, Zoe Stens 2, Victoria Hasselbusch 1, Jagoda Tobolewska 1.
Siebenmeter: 6/6 – 4/5
Zeitstrafen: 3 – 3
Schiedsrichter: Leon Bärmann / Nico Bärmann
Zuschauer: 986
Spielort: SWH.arena, Halle (Saale)
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Foto: Michael Vogel