Die WILDCATS haben dem amtierenden Deutschen Meister HSG Blomberg-Lippe vor allem nach der Pause einen großen Kampf geliefert. Nach einer schwierigen ersten Halbzeit und einem deutlichen 10:19-Rückstand steigerte sich der SV UNION Halle-Neustadt vor 523 Zuschauern in der SWH.arena deutlich. Die Mannschaft von Cheftrainer Pether Krautmeyer entschied den zweiten Durchgang mit 15:12 für sich, musste sich am Ende aber mit 25:31 geschlagen geben. Der Gegner war dabei kurzfristig noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv geworden. Erst am Spieltag gab die HSG Blomberg-Lippe die Verpflichtung von Isabelle Axmann bekannt. Die Rückraumspielerin stand am Abend bereits im Kader des Deutschen Meisters. Dass die HSG als amtierender Champion nach Halle kam, war das Ergebnis einer historischen Vorsaison: Ende Mai sicherte sich Blomberg erstmals die Deutsche Meisterschaft. HSG-Trainer Steffen Birkner hatte die kurzfristige personelle Verstärkung vor der Partie mit einem Augenzwinkern eingeordnet: „Auf Grundlage der nicht vorhandenen Breite sind wir daher kreativ geworden.“
Frühe Unterzahl bringt WILDCATS ins Hintertreffen
Dabei begann die Partie aus Hallenser Sicht zunächst mit zwei starken Aktionen. Lena Schmid war gleich zweimal zur Stelle und verhinderte einen frühen Treffer der Gäste. Doch nach nur 94 Sekunden gerieten die WILDCATS in eine schwierige Situation: Nele Wenzel erhielt eine Zeitstrafe. Um in Unterzahl offensiv dennoch mit sechs Feldspielerinnen agieren zu können, nahm Halle die Torhüterin heraus. Blomberg nutzte die daraus entstehenden Möglichkeiten konsequent. Nach Ballgewinnen gelangen den Gästen einfache Treffer auf das verwaiste Tor. Lara-Sophie Lepschi traf zum 0:2, nur wenig später erhöhte Alexia Hauf bereits auf 0:3. Nach nicht einmal drei Minuten liefen die WILDCATS damit einem frühen Rückstand hinterher. Emma Hertha erzielte anschließend den ersten Hallenser Treffer zum 1:3. Viktoria Marksteiner und Fabienne Büch hielten die Gastgeberinnen zunächst in Schlagdistanz. Nach Büchs Siebenmetertor stand es in der siebten Minute 3:5. Doch der Deutsche Meister erhöhte anschließend das Tempo. Ballverluste und Fehler im Angriff der WILDCATS wurden immer wieder mit schnellen Gegenstößen bestraft. Über 4:8 setzte sich Blomberg innerhalb weniger Minuten auf 4:10 ab. Pether Krautmeyer reagierte beim Sechs-Tore-Rückstand nach gut elf Minuten mit seiner ersten Auszeit. Die Unterbrechung konnte den Lauf der Gäste zunächst nicht entscheidend stoppen. Nieke Kühne, Judith Tietjen und Nuria Bucher sorgten dafür, dass der Vorsprung weiter anwuchs. Beim 6:15 nach knapp 17 Minuten war der Rückstand erstmals auf neun Treffer angewachsen.
Auch danach fanden die WILDCATS nur schwer in ihren Rhythmus. Blomberg verteidigte konsequent, kam immer wieder ins Tempospiel und profitierte zugleich von einer starken Lara-Sophie Lepschi zwischen den Pfosten. Die ehemalige Hallenser Torhüterin erwischte an alter Wirkungsstätte einen starken Abend und kam auf 20 gehaltene Bälle bei einer Quote von 47 Prozent. Über 7:17 und 9:17 ging es schließlich mit einem deutlichen 10:19 in die Kabinen. Nele Wenzel brachte die erste Halbzeit nach der Partie treffend auf den Punkt: „Wir kommen super schwer ins Spiel und haben uns dann einschläfern lassen.“
WILDCATS zeigen nach der Pause ein anderes Gesicht
Wer nach dem deutlichen Pausenrückstand mit einer Vorentscheidung gerechnet hatte, sah in den zweiten 30 Minuten eine andere Hallenser Mannschaft. Zwar erzielte Blomberg zunächst den ersten Treffer nach Wiederbeginn zum 10:20, doch die WILDCATS ließen sich davon nicht beeindrucken. Marksteiner, Lois van Vliet und erneut Marksteiner sorgten für die ersten Hallenser Treffer. Gleichzeitig bekam die Defensive immer besseren Zugriff auf das Spiel. Die Abwehr agierte nun mit der notwendigen gesunden Härte, stand kompakter und zwang den Deutschen Meister häufiger zu schwierigen Abschlüssen. Trotzdem hielt Blomberg seinen Vorsprung zunächst aufrecht und führte nach knapp 39 Minuten mit 23:13. Dann begann die beste Phase der WILDCATS an diesem Abend. Emma Hertha traf zum 14:23. Fabienne Büch verwandelte sicher vom Siebenmeterpunkt, Hertha legte nach und Paulina Stapurewicz verkürzte in der 46. Minute auf 17:23. Die Gastgeberinnen hatten plötzlich einen Lauf und kämpften sich Tor um Tor heran. Blomberg reagierte. Steffen Birkner nahm beim Stand von 17:23 eine Auszeit und versuchte, seine Mannschaft neu zu sortieren. Doch zunächst machten die WILDCATS weiter: Nach einer Zeitstrafe gegen Maxi Mühlner verwandelte Büch den fälligen Siebenmeter zum 18:23. Aus einem zwischenzeitlichen Zehn-Tore-Rückstand waren nur noch fünf Treffer geworden. Vor allem defensiv hatte Halle das Spiel nun wesentlich besser im Griff. Fast zehn Minuten lang gelang Blomberg kein eigener Treffer.
Blomberg bringt Vorsprung ins Ziel
Judith Tietjen beendete schließlich die torlose Phase des Deutschen Meisters und traf zum 18:24. Die WILDCATS blieben dennoch hartnäckig. Lea Gruber verkürzte zunächst auf 19:24 und wenig später noch einmal auf 20:25. Näher als auf fünf Tore kamen die Gastgeberinnen allerdings nicht mehr heran. In der Schlussphase spielte Blomberg seine Qualität und Erfahrung aus und verhinderte, dass die Partie noch einmal vollständig offen wurde. Halle gab sich dennoch nicht auf. Gruber, Marksteiner, Büch und Tina Wagenlader sorgten auch in den letzten Minuten weiter für Treffer. Praktisch mit der Schlusssirene setzte die sechsfache Torschützin Viktoria Marksteiner mit dem 25:31 den Schlusspunkt. So stand am Ende zwar eine Niederlage auf der Anzeigetafel, gleichzeitig aber auch eine zweite Halbzeit, auf der die WILDCATS aufbauen können. Nach dem 10:19 zur Pause entschieden sie den zweiten Durchgang mit 15:12 für sich. Vor allem die deutlich stabilere Abwehr, der größere Zugriff und die kämpferische Reaktion nach dem hohen Rückstand waren positive Signale.
Auch die ehemalige Wildcat Lilli Röpcke sah auf Blomberger Seite den eigenen Plan grundsätzlich bestätigt, wusste aber ebenso um die Fehler im Spiel ihrer Mannschaft: „Unser Matchplan ist aufgegangen, auch wenn wir viele technische Fehler gemacht haben.“ Für die WILDCATS bleibt damit vor allem die Erkenntnis, dass sie nach einem äußerst schwierigen ersten Durchgang gegen den amtierenden Deutschen Meister eine starke Reaktion zeigen konnten. Für Punkte reichte diese an diesem Abend nicht mehr – die zweiten 30 Minuten machten aber deutlich, welches Potenzial in der Mannschaft steckt, wenn Defensive, Intensität und Leidenschaft zusammenkommen. Bereits am Mittwoch, 16. September, wartet die nächste große Herausforderung. Dann sind die WILDCATS um 19:30 Uhr auswärts bei Borussia Dortmund gefordert. Der BVB führt die Partie gegen den SV UNION Halle-Neustadt als sein Heimspiel des vierten Spieltags.
Statistik
SV UNION Halle-Neustadt – HSG Blomberg-Lippe 25:31 (10:19)
Zuschauer: 523
Spielort: SWH.arena
Schiedsrichter: Lukas Schwarzmeier / Bela Stewen
WILDCATS: Nicola Czaja, Lena Schmid – Viktoria Marksteiner 6, Fabienne Büch 5/3, Emma Hertha 3, Lea Gruber 3, Paulina Stapurewicz 3, Tina Wagenlader 1, Tabea Wipper 1, Marie Polakova 1, Lynn Holtman 1, Lois van Vliet 1, Maksi Pallas, Valerie Smits, Nele Wenzel, Ilona Kieffer.
HSG Blomberg-Lippe: Lara-Sophie Lepschi 1, Nicole Roth – Nuria Bucher 8/4, Judith Tietjen 6, Alexia Hauf 4, Nieke Kühne 3, Maxi Mühlner 3/2, Lilli Röpcke 2, Karolina Jurenczyk 2, Laura Rüffieux 1, Díana Dögg Magnúsdóttir 1, Isabelle Axmann, Elin Rosa Magnúsdóttir.
Zeitstrafen: WILDCATS: Nele Wenzel, Tina Wagenlader, Fabienne Büch – HSG: Laura Rüffieux (2), Díana Dögg Magnúsdóttir, Maxi Mühlner.