Ein Punkt, der Mut macht: WILDCATS belohnen leidenschaftlichen Auftritt beim Tabellenführer

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WILDCATS

Was für eine Reaktion der WILDCATS. Nach einem denkbar schlechten Start und einem frühen Sechs-Tore-Rückstand hat sich der SV UNION Halle-Neustadt beim favorisierten bisherigen Tabellenführer HSG Bensheim/Auerbach eindrucksvoll zurückgekämpft. Am Ende stand in der Weststadthalle ein 33:33 (19:20) – und damit der erste Punkt der neuen Bundesliga-Saison. Angesichts des Spielverlaufs dürfen die WILDCATS mit diesem Punkt zufrieden sein. Gleichzeitig war sogar noch mehr möglich.

Früher Rückstand – WILDCATS lassen sich nicht abschütteln

Die Anfangsphase verlief allerdings alles andere als nach Plan. Bensheim erwischte die Gäste eiskalt und führte bereits nach 3:14 Minuten mit 4:0. Lea Gruber erzielte kurz darauf das erste Tor für Halle, doch nach dem 5:1 reagierte Cheftrainer Pether Krautmeyer bereits in der vierten Minute mit seiner ersten Auszeit. Zunächst änderte sich wenig. Bensheim spielte mit hohem Tempo und baute seinen Vorsprung nach knapp zehn Minuten auf 10:4 aus. Doch genau in dieser schwierigen Phase zeigte sich eine Qualität, die den gesamten Abend prägen sollte: Die WILDCATS ließen sich nicht hängen. Die Mannschaft blieb kämpferisch, spielte mit großer Leidenschaft weiter und arbeitete sich Stück für Stück zurück in die Begegnung. Ein wichtiger Faktor war dabei Lena Schmid. Die Torhüterin gab ihrer Mannschaft mit starken Paraden immer wieder die Möglichkeit, den Rückstand zu verkürzen. Mit ihrem Rückhalt im Tor gewannen die WILDCATS zunehmend an Sicherheit und fanden Schritt für Schritt besser in die Partie. Vorne übernahm nun besonders Emma Hertha Verantwortung. Innerhalb weniger Minuten traf sie dreimal und brachte die WILDCATS vom 12:7 auf 12:10 heran. Marie Polakova und Lois van Vliet sorgten anschließend dafür, dass der Abstand weiter schmolz. Beim 16:16 in der 22. Minute war der Fehlstart endgültig korrigiert. Nur knapp drei Minuten später verwandelte van Vliet einen Siebenmeter zur ersten Führung der WILDCATS. Lynn Holtman legte beim 17:18 nach. Zwar konnte Bensheim noch einmal ausgleichen und kurzzeitig auf 19:18 stellen, doch Nele Wenzel und Viktoria Marksteiner drehten das Spiel erneut. Mit einer 20:19-Führung für Halle-Neustadt ging es in die Kabine. Aus einem 4:10 war damit innerhalb von rund 20 Minuten eine Halbzeitführung geworden. Allein diese Aufholjagd zeigte, mit welcher Moral, Leidenschaft und Überzeugung die Mannschaft an diesem Abend auftrat.

Aggressivere Abwehr nach der Pause

Nach dem Seitenwechsel steigerten sich die WILDCATS vor allem defensiv noch einmal. Die Abwehr agierte deutlich aggressiver, schloss Räume konsequenter und stellte Bensheim zunehmend vor Probleme. Auch die Zahlen verdeutlichen die Steigerung: Nach 19 Gegentoren in der ersten Halbzeit ließ Halle nach dem Seitenwechsel nur noch 14 Treffer zu. Gleichzeitig zeigte sich, wie wertvoll der breite Kader der WILDCATS sein kann. Krautmeyer nutzte seine personellen Möglichkeiten taktisch und verteilte die Verantwortung auf viele Schultern. Insgesamt trugen sich zehn verschiedene Spielerinnen in die Torschützenliste ein. Damit war Halle offensiv schwerer auszurechnen und konnte immer wieder neue Impulse setzen. Paulina Stapurewicz erzielte direkt nach der Pause das 19:21. Van Vliet und Gruber bauten die Führung anschließend auf 20:23 aus. Auch eine Zeitstrafe gegen Stapurewicz brachte die Mannschaft nicht aus dem Rhythmus. Über Gruber, Tina Wagenlader und Hertha wuchs der Vorsprung beim 22:26 in der 39. Minute erstmals auf vier Tore. Bensheim antwortete seinerseits und glich mit vier Treffern in Folge zum 26:26 aus. Krautmeyer reagierte mit seiner zweiten Auszeit – und erneut fanden die WILDCATS eine Antwort. Wagenlader und Tabea Wipper stellten auf 26:28, Stapurewicz und Polakova erhöhten später auf 27:30.

Zwei Punkte liegen in der Luft

Als Emma Hertha in der 49. Minute zum 28:31 traf und Polakova gut acht Minuten vor dem Ende sogar das 28:32 erzielte, lag die Überraschung nicht mehr nur in der Luft. Die WILDCATS hatten beim bisherigen Tabellenführer und Favoriten plötzlich beide Punkte in der eigenen Hand. Bensheim gab sich jedoch ebenfalls nicht geschlagen. Die Gastgeberinnen erhöhten noch einmal den Druck und kämpften sich Tor für Tor heran. Aus dem 28:32 wurde innerhalb weniger Minuten ein 32:32. Halle blieb dennoch mutig. Emma Hertha, mit acht Treffern erfolgreichste Werferin der WILDCATS, übernahm noch einmal Verantwortung und erzielte 2:25 Minuten vor Schluss das 32:33. Der Auswärtssieg war greifbar nahe. Dann fehlte in den letzten Sekunden auch das nötige Quäntchen Glück. Halle musste kurz vor Schluss noch eine Zeitstrafe hinnehmen. Kurz vor Ablauf der Spielzeit bekam Bensheim einen Siebenmeter zugesprochen. Jule Polsz behielt die Nerven und verwandelte zum 33:33-Endstand. So blieb unmittelbar nach dem Schlusspfiff vielleicht auch das Gefühl, einen möglichen Sieg in letzter Sekunde verpasst zu haben. Mit etwas Abstand überwiegt jedoch der Wert dieses Punktgewinns. Nach einem 0:4-Start, dem zwischenzeitlichen 4:10 und auswärts beim favorisierten Tabellenführer eine solche Partie zu drehen, spricht für die kämpferische und mentale Stärke der Mannschaft.

Eine Leistung, die Mut macht

Noch wichtiger als der erste Punkt ist die Art und Weise, wie die WILDCATS ihn erkämpft haben. Die Mannschaft ließ sich auch von einem frühen hohen Rückstand nicht aus der Bahn werfen. Stattdessen blieb sie leidenschaftlich, kämpferisch und glaubte über die gesamten 60 Minuten an ihre Chance. Lena Schmid gab ihrer Mannschaft im Tor wichtigen Rückhalt. Pether Krautmeyer nutzte den breiten Kader und setzte während der Partie immer wieder neue taktische Impulse. Besonders nach dem Seitenwechsel präsentierte sich die Abwehr aggressiver und kompakter. Und dennoch bleibt auch ein kleines „Was wäre gewesen, wenn?“. Beim 28:32 hatten die WILDCATS einen doppelten Punktgewinn beim Favoriten in Reichweite. Am Ende fehlten nur Kleinigkeiten und das notwendige Glück, um tatsächlich beide Zähler mit nach Halle zu nehmen. Trotzdem ist diese Leistung ein deutliches Signal. Die WILDCATS haben gezeigt, dass sie auch gegen Mannschaften aus dem oberen Tabellenbereich bestehen können. Im Vergleich zur vergangenen Saison wirkt die Mannschaft stabiler, variabler und widerstandsfähiger. Dieser Punkt ist deshalb nicht nur ein Punkt für die Tabelle, sondern auch ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Zahlen & Fakten

HSG Bensheim/Auerbach – SV UNION Halle-Neustadt 33:33 (19:20)
Spielort: Weststadthalle Bensheim
Zuschauer: 624
Schiedsrichter: Paul Kijowsky / Lukas Strüder

WILDCATS: Emma Hertha 8, Marie Polakova 5, Lois van Vliet 5/2, Lea Gruber 4, Paulina Stapurewicz 4, Tina Wagenlader 2, Tabea Wipper 2, Viktoria Marksteiner 1, Lynn Holtman 1, Nele Wenzel 1.

HSG Bensheim/Auerbach: Lena Sophia Degenhardt 8, Jule Polsz 7/4, Lucie-Marie Kretzschmar 5, Cara Reuthal 4, Isabell Hurst 2, Ndidi-Silvia Agwunedu 2, Milena Podgorac 2, Neele Mara Orth 2, Emma Andersson

Foto: Trunk