Wenn man am Sonntagnachmittag in den Fanblock des SV Halle-Neustadt schaute, sah man dort fast eine komplette Bundesligamannschaft der Wildcats sitzen. Das Verletzungspech hat bei den Wildcats stark zugeschlagen. Mit Simona Roubinkova, Eileen Uhlig, Zofia Fialekova, Janice Fleischer, Silvia Hofman und der schwangeren Vivien Walzel musste Arne Kühr auf sechs Feldspielerinnen verzichten. Die stark dezimierten Wildcats gingen von daher als Außenseiter in das Landesderby. Grzegorz Subocz, Trainer des HSC 2000 Magdeburg, konnte dagegen aus dem Vollen schöpfen. Das erste Tor des Spiels gehörte Peggy Hesse, welche die Wildcats mit 1:0 in Führung brachte. In einer sehr hektischen Anfangsphase, in der sich beide Mannschaften zahlreiche technische Fehler leisteten, sahen die Zuschauer ein sehr schwaches Bundesligaspiel. Allein Juliane Nagel im Tor der Wildcats konnte sich immer wieder beweisen. Ihre Mannschaft kämpfte aber und erarbeitete sich jedes Tor hart. Aufgrund der Verletzungsproblematik bei den Wildcats hatte Arne Kühr auch nur begrenzte Auswechselmöglichkeiten. Mit einem Wechsel bewies der Cheftrainer aber ein goldenes Händchen: Judy Martin kam ab der 25. Minute ins Spiel und sorgte auf der Außenposition für die nötige Torgefahr. Bei den Gastgebern konnte Anja Schröder immer wieder Akzente setzen. Dennoch wirkte das Team von der Elbe im Angriff viel zu harmlos. Kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit konnten die Wildcats ihre knappe Führung auf 10:8 ausbauen.
Die zweite Halbzeit verlief ähnlich wie die erste. Nach wie vor sahen die 250 Zuschauer, davon 50 aus Halle, eine Bundesligapartie, die eine hohe Fehlerquote auf beiden Seiten hatte. Judy Martin war die Spielerin des zweiten Spielabschnitts. Mit insgesamt sieben Toren und davon sechs in den zweiten dreißig Minuten gehörte die Außenspielerin zu den besten Spielerinnen im Team von der Saale. Kämpferisch und konditionell waren die Wildcats perfekt auf das Landesderby eingestimmt. Als die Gäste in der 45. Minute 20:14 führten, schien das Spiel entschieden. Die Wildcats schalteten jetzt aber einen Gang zurück und taten sich sehr schwer im Angriffsspiel. Eine 0:5-Torserie der Magdeburger Bandits ließ die Führung sieben Minuten vor Schluss auf nur noch ein Tor schmelzen. Viel zu unsicher agierte der Tabellendritte im Angriff und fand das Schlüsselrezept für den Auswärtssieg in schnellen Kontertoren. Alle vier Tore in der Schlussphase entstanden durch Konter oder durch Angriffe in der zweiten Welle. Ganz großer Rückhalt in dieser Phase des Spiels war Torfrau Juliane Nagel. „Juliane hat heute ihrem Namen alle Ehre gemacht. Sie hat einfach das Tor zugenagelt, das war ein Baustein für den Sieg im Landesderby“, so Co-Trainerin Eva Beyer. „Die Fehlerquote war auf beiden Seiten sehr hoch. Wir wussten, dass wir nur über die Kampfschiene zum Erfolg kommen konnten. Das hat die Mannschaft hervorragend umgesetzt“, sagte Halles Trainer Arne Kühr. „Wir haben kein Rezept gegen die sehr beweglichen Hallenserinnen gefunden“, meinte Magdeburgs Trainer Grzegorz Subocz. Mit dem Sieg bleibt das Team von Arne Kühr auf dem dritten Tabellenplatz und die Gastgeber haben es verpasst sich Luft im Abstiegskampf zu verschaffen.
Ein ganz spezieller Dank geht auch an die 50 mitgereisten Fans. Die Wildcatsfans dominierten die Stimmung von den Rängen und war in diesem Spiel mal wieder ein ganz wichtiger Rückenhalt.
Statistik zum Spiel
Bilder von Thomas Zober zum Spiel