Die Stimmung war besser als das Wetter. Und Hund Nala einer der Nutznießer der aufgelockerten Gemütsverfassung. Swantje Heimburg zog es am Sonntagvormittag mit ihrem Labrador auf die Rabeninsel, gemeinsam mit Teamkollegin Elisa Möschter und derem vierbeinigen Liebling Mika. Um Runterzufahren genau das Richtige. „Montagfrüh geht es schließlich schon weiter mit der Vorbereitung auf das nächste Spiel“, erklärte die Außenspielerin des halleschen Handball-Erstligisten Union Halle-Neustadt. Entspannung war wichtig nach dem Kraftakt tags zuvor und mit Blick auf die schwierige Aufgabe am Sonntag.

Da kommt mit dem aktuell Drittletzten Bensheim/Auerbach eine Mannschaft in die heimische Erdgas Arena, die der im Ligageschäft bisher sieglose Aufsteiger bezwingen sollte, will er nach Saisonende nicht gleich wieder den Fahrstuhl nach unten nehmen. Das gerade im Pokal gefeierte Erfolgserlebnis soll dazu beitragen. Auch wenn der 30:29-Erfolg gegen den VfL Waiblingen ein hartes Stück Arbeit war. Und der Gegner dazu unterklassig. Doch das war Swantje Heimburg gerade ziemlich egal. „Wichtig ist doch, dass wir überhaupt gewonnen haben“, sagt die 24-Jährige. Und dass ihre Mannschaft damit sogar – erst zum zweiten Mal überhaupt in der Vereinsgeschichte – in das Viertelfinale eingezogen ist. Nur noch ein Sieg trennt die Wildcats nun vom großen Final-Four-Turnier.

Und es gab noch mehr Positives, was Swantje Heimburg für sich und ihre Teamkolleginnen mitnahm aus dem Sieg. „Wir haben über weite Strecken das Spiel dominieren können“, sagte Halles Nummer 13. Als es phasenweise nicht so lief und das Spiel zu kippen drohte, da hatten es den Gastgeberinnen geschafft, das Steuer wieder herumzureißen. In der ersten Bundesliga ist das dem Schlusslicht bisher noch nicht gelungen. Wenn es eng wurde, brach Halle ein. Auch gegen Waiblingen gab es gleich mehrere bedrohlichen Situationen. Zwar begannen die Schützlinge von Tanja Logvin furios (6:2/8.). Doch wieder einmal hielten sie den Tempohandball nicht 60 Minuten durch. „Sobald wir in Positionshandball übergegangen sind, lief es nicht mehr so gut für uns“, hat auch Marcel Gohlke von der Vereinsführung erkannt. Das rächte sich prompt. Waiblingen holte auf und zog sogar vorbei (9:10/24.). Doch mit Kampf und manchmal auch viel Krampf kam Union zurück. Das gelang auch in der Phase Mitte der zweiten Halbzeit, als Halle einen 15:12-Vorsprung wieder aus der Hand gab (15:20/39.). Als Union dann auch noch Abwehrchefin Pia Dietz nach der dritten Zeitstrafe verlor, sahen viele der diesmal nur 230 Zuschauer schwarz.

Doch die Umstellung der Abwehr vom 6:0-Riegel auf 5:1 mit einer vorgezogenen Nadine Smit erwies sich als goldrichtig und Halle fing sich erneut (29:25/54.). Ein letztes Mal setzte das große Nervenflattern ein, führte das Kopfkino bei Union zu einem 29:29 kurz vor Schluss. Doch Ekaterina Fanina sorgte diesmal mit ihrem Tor 15 Sekunden vor Schluss für den Befreiungsschlag.

„Alle waren wahnsinnig erleichtert“, begründete Swantje Heimburg den kollektiven Freudentaumel nach dem Spiel. Sie selbst hatte ebenfalls drei Tore zu dem Sieg beigetragen, „der wichtig war und uns Selbstvertrauen gibt“. Er hat aber auch gezeigt, dass die Wildcats noch längst nicht da angekommen sind, wo sie hinwollen. Für ein neuerliches Erfolgserlebnis gegen Bensheim/Auerbach bedarf es einer weiteren Steigerung. (mz)

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 05.11.2018