So etwas gibt es auch nicht alle Tage: Das Bundesliga-Schlusslicht aus Halle stand am Sonntag nur noch mit extrem wenigen Spielerinnen auf der Platte. Abgebrochen wurde trotzdem nicht. Die fünfte Saisonniederlage von Bundesliga-Aufsteiger Halle-Neustadt gegen Bad Wildungen (26:39) war am Ende nur eine Randnotiz. Für Gesprächsstoff sorgten vielmehr die unglaublichen letzten fünf Minuten. Nach fünf Strafen innerhalb kürzester Zeit standen plötzlich nur noch die Hallenser Torfrau Anica Gudelj und Sophie Lütke als einzige Feldspielerin auf der Platte. Eine unfassbare Situation. “Ich habe schon viel erlebt im Handball, aber so etwas noch nicht. Das war krass und wir waren wirklich schockiert”, sagte Halles Elisa Möschter dem MDR. Die 26-Jährige wird dieses Spiel nie vergessen. “Davon werden wir in zehn Jahren noch reden”, kann sie am Tag nach dem Eklat schon wieder lachen. Das Schiedsrichtergespann agierte zwar oft kleinlich, die Zeitstrafen kann man aber auch geben, gab Möschter zu. Zudem sah Trainerin Tanja Logvin, die lautstark protestierte und auf das Parkett stürmte, Rot. Diese Karte wirkte sich doppelt aus. In den Regularien steht, dass bei einem Verweis des Trainers auch eine Spielerin vom Parkett muss. Somit standen nach den tumultartigen Szenen in der Schlussphase plötzlich zwei Hallenserinnen sieben Gäste-Spielerinnen gegenüber.

Eine aussichtslose Situation. Doch ein vorzeitiger Abbruch stand nicht zur Debatte. “Sportrechtlich war alles regelkonform”, erklärte Uwe Stemberg, Mitarbeiter der Spielleitenden Stelle bei der Handball-Bundesliga-Frauen (HBF) auf MDR-Anfrage. Heißt: In der Spielordnung ist nirgends eine erforderliche Mindestanzahl von Spielerinnen aufgeführt. Einen Abbruch darf es nur bei “besonderen Umständen” geben und diese liegen im Ermessen des Schiedsrichters. Die Unparteiischen entschieden sich wohl auch angesichts des klaren Rückstandes – Halle lag mit acht Treffern zurück – gegen einen Abbruch.
Mehr als eine Randnotiz: In vierfacher Unterzahl erzielte Lütke nach einem Pass von Möschter sogar noch ein Tor. Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht …

Quelle: Mitteldeutscher Rundfunk inkl. Video Beitrag