Natürlich hat Henk Groener die Anhalt-Arena noch in bester Erinnerung. „Egal, wie dort das Spiel ausgegangen ist“, sagt der Holländer, „Stimmung und Atmosphäre waren jedes Mal beeindruckend.“ Zwischen 1996 und 2002 trainierte Groener den Handball-Zweitligisten TV Emsdetten – inklusive einer Auswärtsreise pro Saison nach Dessau. „Ich freue mich“, sagt der 57-Jährige, „dass ich die Arena nun am 29. September endlich einmal wiedersehen kann.“  Dann nämlich wird Groener mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft der Damen im Dessau-Roßlauer Handball-Tempel in einem Test-Länderspiel Olympiasieger Russland herausfordern. Als deutscher Bundestrainer. „Wenn vielleicht auch die öffentliche Wahrnehmung noch manchmal eine andere sein mag, die deutschen Frauen sind eine Mannschaft, in der exzellente Leistungssportlerinnen ihre Grenzen suchen“, sagt Groener, der seit dem 1.1.2018 beim Deutschen Handball Bund (DHB) für die Damenauswahl zuständig ist und einen bis 2020 zu den Olympischen Spielen in Tokyo gültigen Vertrag hat. Spätestens dann sollen auch die deutschen Damen in der Weltspitze angekommen sein – und damit dem weiblichen Handball zu einem höheren Stellenwert verholfen haben. Auch deshalb war Groener gemeinsam mit DHB-Präsident Andreas Michelmann am Montag nach Dessau-Roßlau gekommen, um in einem Pressegespräch für den Auftritt am 29. September zu werben. „Wenn wir die Damen mehr in den Fokus rücken wollen, dann müssen wir dafür auch etwas tun“, begründete Groener den für ein Freundschafts-Länderspiel ungewöhnlich prominent besetzten Werbetermin.

Doch der DHB, das machte sein Präsident Andreas Michelmann am Montag noch einmal klar, erhofft sich von Groener ähnliche Erfolge, wie sie der Holländer 2015 mit der Auswahl seines Heimatlandes feiern konnte: Damals holten die Niederlande Silber bei der WM. „Unser neues verjüngtes Team kann fast gegen jede Mannschaft gewinnen“, sagte Michelmann, „aber aktuell eben noch nicht konstant.“ Das Länderspiel in Dessau am 29. September wird einen fünftägigen Lehrgang abschließen, den die Mannschaft zuvor in Michelmanns Heimatstadt Aschersleben – dort ist er auch Oberbürgermeister – absolvieren wird. Neben der Partie in der Anhalt-Arena wird Tags darauf gleich noch einmal gegen den gleichen Gegner in Nordhausen gespielt.

„Gegen den Olympiasieger zu spielen wird der absolute Gradmesser vor der Europameisterschaft sein“, meinte Michelmann. Bei der EM in Frankreich von Ende November bis Mitte Dezember trifft Deutschland auf Norwegen, Rumänien und Tschechien. „Wir sind gut aufgestellt“, sagte Henk Groener, der sich vorgenommen hat, bald auch einmal live bei Erstliga-Aufsteiger Halle-Neustadt vorbeizuschauen. „Es freut mich sehr, dass Halle die Herausforderung erste Liga angenommen hat, auch wenn man sich dort natürlich erst einmal behaupten muss.“ Die Damen aus Halle werden im übrigen genau wie Drittligist HC Leipzig am 29. September in Dessau-Roßlau live dabei sein. Und selbst die in die Mitteldeutsche Oberliga aufgestiegenen Damen des Dessau-Roßlauer HV haben sich zum Spiel angesagt, obwohl sie am Abend selbst noch in der Liga antreten.

„Wir wollen auch den Frauenhandball in der Region fördern“, sagte Ralph Hirsch, in Personalunion Präsident des DRHV und Chef des Länderspiel ausrichtenden Vereins „Anhalt Sport“. Schon jetzt seien rund tausend Karten für das Spiel verkauft. Henk Groener darf sich wieder auf eine außergewöhnliche Atmosphäre freuen. Karten für das Länderspiel am 29. September um 15 Uhr zwischen Deutschland und Olympiasieger Russland sind über www.dhb.de/tickets sowie über die Hotline (01806) 997723 erhältlich. Wer ein Ticket erwirbt, erhält damit am 30. September kostenlosen Eintritt zum Zweitligaspiel des Dessau-Roßlauer HV gegen den TUS Ferndorf. (mz)

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung

Bildbeschreibung::Beigeordneter Robert Reck, Bundestrainer Henk Groener, DHB-Chef Andreas Michelmann und Ralph Hirsch (v.l.n.r.) warben in Dessau-Roßlau. Foto: Hartmut Bösener