Der Jubel war Sophie Lütke gewiss. „Der Großteil ist meine Familie aus Berlin, aber auch Arbeitskollegen aus Halle“, erzählte die Rückraumspielerin des SV Union Halle-Neustadt über ihren persönlichen Fanklub. Der saß beim Bundesliga-Auftakt des Aufsteigers gegen Pokalsieger VfL Oldenburg auf der Tribüne – deutlich erkennbar an den weißen T-Shirts mit Namen und der Nummer 21 auf dem Rücken. „Es ist toll, wenn du so eine Unterstützung hast“, freute sich Lütke. Tochter besiegen. Die 28-Jährige wusste die Anfeuerung von den Rängen für eine gute Leistung zu nutzen. Bei der 29:39-Klatsche gegen Oldenburg war Lütke die auffälligste Union-Spielerin. Mutig suchte sie in der Offensive den Abschluss, stürzte sich auch mal in zwei Gegenspielerinnen. So kam Lütke auf fünf Tore – frenetisch gefeiert von ihrem Fanklub.

Auch in der insgesamt schwachen Defensive von Union stach Lütke noch positiv hervor. Die nur 1,65 Meter große Spielerin verteidigte engagiert, sorgte Mitte der ersten Halbzeit für einen Höhepunkt des Spiels: Clever luchste sie Angie Geschke, 101-fache Nationalspielerin für Deutschland, den Ball ab und traf im Tempogegenstoß. „Ich versuche, Energie reinzubringen, gebe immer alles. So will ich die anderen mitreißen“, sagte Lütke. Tatsächlich ist die gebürtige Berlinerin ein Vorbild. Spielte sie doch vor zwei Jahren, vor ihrem Wechsel zu Union, für Altlandsberg nur in der dritten Liga. Am Samstag zeigte Lütke, dass sie trotz fehlendem Gardemaß auch in der ersten Liga bestehen kann – dank Tempo in den Aktionen, vollem Einsatz und selbstbewusstem Auftreten. Gerade die zweifellos talentierten ausländischen Zugänge können sich an Lütke ein Beispiel nehmen. Ließen sie doch gegen Oldenburg die letzte Überzeugung vermissen, waren, wie etwa die bundesligaerfahrene Emilia Galinska, zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Die polnische Nationalspielerin kam nur auf ein Tor. So blieb Union gegen den routinierten Erstligisten chancenlos. Für Lütke keine Überraschung. „Wir müssen in jedem Erstliga-Spiel über 100 Prozent geben“, sagte sie. „Wenn wir das nicht tun, haben wir gegen die etablierten Mannschaften keine Chance.“ Lütke will mit positivem Beispiel vorangehen. (mz)

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung von Fabian Wölfling

Foto: Thomas Zober